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28.02.2019

Argentinien – wie die Kluft zwischen Arm und Reich überwunden werden kann

Im Januar haben wir unser Projekt für benachteiligte Kinder in Argentinien besucht.

Argentinien ist doch eigentlich ein entwickeltes, relativ reiches Land, oder? Das werden wir häufig gefragt. Offiziell gilt Argentinien als sogenanntes Schwellenland und besucht man das Stadtzentrum von Buenos Aires, fällt es schwer zu glauben, in welcher Krise dieses Land steckt. Doch die Armut ist allgegenwärtig, nur versteckter und anders als zum Beispiel in unseren Projektländern Nepal oder Mali.

Argentinien steckt in einer tiefen Wirtschaftskrise. Es gibt weniger Investitionen, die Anzahl der Jobs ist rückläufig und insbesondere Lebensmittel werden aufgrund der Peso-Abwertung immer teurer. Das Geld reicht nicht, um das Nötigste zu kaufen. Über 25% der Menschen leben unter der Armutsgrenze. Die Krise trifft hauptsächlich die Mittelschicht und arme Menschen. Denn sie sind es, die sich Lebensmittel nicht mehr leisten können. Die Kluft zwischen Arm und Reich groß. Es prallen Welten aufeinander: Fährt man eine Straße entlang, findet man beispielsweise rechts Slums und links Villen. Arme Menschen bekommen so jeden Tag vor Augen geführt, was sie nicht haben und vermutlich auch nie haben werden. Das führt zu einem extremen Ungerechtigkeitsempfinden und endet oft in Kriminalität.

Das Kinderhilfswerk Dritte Welt e.V. unterstützt in Argentinien zwei Kindertagesstätten, die Kinder in ihrem Alltag zur Seite stehen mit dem Ziel, den Armutskreislauf damit zu durchbrechen.

Was bedeutet arm sein in Argentinien? Unsere Projektmanagerin Anna hat unsere Projekte sowie Familien zu Hause besucht und mit den Sozialarbeiterinnen gesprochen, um einen tieferen Einblick zu bekommen.

Die Herausforderungen mit denen die Kinder täglich konfrontiert sind, sind für uns schwer vorstellbar.

„Ich freue mich sehr, dass eines der jungen Mädchen, das früher die Kindertagesstätte besucht hat, mich in ihr Haus eingeladen hat“, erzählt Anna nach ihrer Projektreise. Das Mädchen - Marianna - ist seit ihrer Kindheit leicht behindert, eine Folge der falschen Ernährung in ihrer Kindheit. Stolz zeigte sie ihr Zuhause. Es ist ein etwa 9m2 großer Raum, gebaut auf einem illegalen Grundstück ohne Fenster. Außerdem sind weder die Wände noch der Boden verputzt. Fließendes Wasser und eine Toilette gibt es nur vor dem Haus, es wird von mehreren Familien genutzt. Seit sechs Monaten ist Marianna Mutter eines kleinen Jungen. Sie möchte alles „richtig machen“ und besucht daher immer noch fast täglich die Kindertagesstätte und tauscht sich mit ihren ehemaligen Erzieherinnen und den Sozialarbeiterinnen aus. So kann es gelingen, dass Mariannas kleiner Junge Emmanuel eines Tages ein selbstbestimmtes Leben führen kann.

Viele Kinder in den Tagesstätten haben ähnliche Schicksale, die meisten wurden Opfer von seelischer, körperlicher oder sexueller Gewalt. Vergewaltigungen in der Familie sind keine Seltenheit. Gewalt, Drogen und kriminelles Handeln gehören zum Alltag der Kinder. Die Wohnverhältnisse sind so schlecht, dass selbst ein leichter Regen die Kinder davon abhält, zur Schule zu gehen, weil die Wege nicht mehr passierbar sind. Einige Kinder haben erst mit sechs Jahren in der Kindertagesstätte gelernt, zu duschen oder Zähne zu putzen.


Anna mit dem Team der Kindertagesstätte und den Kindern

Durch eigene Kraft, Bildung und Fleiß das eigene Leben positiv zu verändern haben diese Menschen nie gelernt. Es fehlen positive Vorbilder, der Glauben an sich selbst und Halt. Hinzukommen Abhängigkeiten durch Kriminalität, in denen sie gefangen sind. Es ist ein Teufelskreis. Genau dort setzt unser Projekt in Argentinien an.

Die beiden Tagesstätten in Buenos Aires und Baradero kümmern sich wie eine Familie, um den Tagesablauf der Kinder. Die Kinder bekommen Unterstützung beim Schulbesuch, zum Beispiel durch einen Schulbus. Am Nachmittag können Kinder zwischen 6 und 18 Jahren dann die Kindertagesstätte besuchen. Dort werden gesunde, warme Mahlzeiten, Hilfe bei den Hausaufgaben und ein umfängliches Nachmittagsprogramm angeboten. Durch unterschiedliche Workshops, meist von Freiwilligen, werden den Kindern verschiedene Themen und Berufe nähergebracht. So werden die Kinder dazu angeregt, Sport zu treiben und darüber nachzudenken, was sie später einmal werden oder erreichen wollen. Zudem kommen einige Erzieherinnen aus ähnlichen Verhältnissen wie die Kinder. Das hilft den Erzieherinnen zu verstehen, unter welchen Umständen die Kinder leben. Aber es hilft auch den Kindern, denn sie sehen, was sie durch Bildung, Fleiß und eigene Kraft erreichen können.

Beide Tagesstätten sind aktuell voll besetzt und es gibt eine lange Warteliste. Um in der Tagesstätte aufgenommen zu werden, müssen Lehrer, Eltern oder die Kinder selbst vorbeikommen und sich anmelden. Sozialarbeiterinnen sprechen dann mit den Familien, besuchen die Kinder zu Hause und schätzen ein, ob das Kind in der Tagesstätte betreut werden kann.

Die Tagesstätten werden durch Spenden und ehrenamtliche Arbeit getragen. Durch die Arbeit der Tagesstätten kann das Schicksal einer ganzen Generation verändert werden – aber es braucht Zeit, Geduld und Geld, um das zu erreichen!

Vielen Dank, dass Sie dieses Projekt durch Ihre Spende möglich machen.


Gemeinsame Nachmittagsjause in der Kindertagesstätte. Viele Kinder haben an diesem Tag zum ersten Mal Jogurt gegessen. Milchprodukte dieser Art sind in Argentinien sehr teuer, der Jogurt wurde von einem nahegelegenen Unternehmen gespendet.


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